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Ergebnisbericht des 1. Paderborner Dialogtages

Teilnehmende identifizieren Handlungsempfehlungen hinsichtlich der Integration digitaler Medien in die Jugendsozialarbeit

Der Paderborner Dialogtag ist eine interdisziplinäre Tagung, an der  WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen der Jugendsozialarbeit teilnehmen. Der 1. Paderborner Dialogtag setzte sich mit der Thematik digitaler Medien in Bezug auf die Jugendsozialarbeit auseinander. Dabei stand Christian Müller (Kommunikationsberater und Sozialpädagoge, sozial-pr.net) als Experte zur Verfügung. Er führte in die Welt der aktuellen digitalen Trends ein und gab einen Überblick über die zurzeit vorrangig genutzten digitalen Medien, Formate und Geräte. Darüber hinaus gab er den Teilnehmenden einen dezidierten Einblick in seine praktische Arbeit, stellte unterschiedliche  soziale Projekte vor und setzte somit Akzente bezüglich der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien in der Jugendsozialarbeit. In der nachfolgenden Diskussionsrunde wurden dann gemeinsam folgende  Fragen vertieft erörtert: Inwiefern werden Handlungsempfehlungen für die Jugendsozialarbeit benötigt? Welche nächsten Schritte sind zu fokussieren? Wer sind die Verantwortlichen?

Obwohl eine streng differenzierte Betrachtung in vielen Fällen schwierig ist, wird im Folgenden ein Versuch unternommen die Ergebnisse des Dialogtages strukturiert zusammenzufassen: Handlungsempfehlungen die Träger-/Leitungsebene betreffend, Handlungsempfehlungen die Fachkräfte betreffend, Handlungsempfehlungen die Zielgruppen betreffend.

Handlungsempfehlungen die Träger-/Leitungsebene betreffend:

Allgemein wird die Empfehlung ausgesprochen die Weiterentwicklung hin zu einer stärker digitalisierten Praxis der Jugendsozialarbeit kleinschrittig zu gestalten, um zum einen keine Fachkräfte abzuhängen und zum anderen den Bezug zu den Zielgruppen nicht zu verlieren. Eine Integration in Unternehmensziele und –leitsätze ist anzustreben sowie auch eine Berücksichtigung in der jährlichen Budgetplanung.

Aufgabe der Träger- und Leitungsebene ist die Verankerung der Thematik in den Stellenprofilen und Arbeitsprozessen. Ein weiterer Auftrag besteht darin für erforderliche Qualifizierungen und Kompetenzen der Mitarbeitenden zu sorgen. Als erster Schritt kann eine Standbestimmung bezüglich der individuellen technischen Affinität erfolgen, um daraus spezifische Weiterbildungsbedarfe abzuleiten. Aber im Vorfeld sollte eine Unterscheidung zwischen allgemeiner Medienkompetenz und zwischen Medienkompetenz, die bezogen auf die Medien der Jugendlichen notwendig ist, erfolgen. Fortbildungen zu unabdingbaren Themen, wie Datenschutz und Datensicherheit, müssen verpflichtend sein. Außerdem muss auch eine gezielte Abgrenzung der beruflichen und der privaten Nutzung dieser Medien durch trägerspezifische Richtlinien und strukturelle Rahmenbedingungen erreicht werden.

Und darüber hinaus sollte an einer Novellierung der Ausbildungen und der Studiengänge mitgewirkt werden, um erforderliche Kompetenzen bereits dort anzubahnen. Dazu gehört auch, dass ein notwendiges Grundwissen in Führungsebene zu definieren und dann in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Hierarchieebenen zu konkretisieren ist. Dies zeigt, dass die Thematik nicht isoliert betrachtet werden kann und auch keine klaren Verantwortlichkeiten abgegrenzt werden können, da die Integration digitaler Medien die verschiedensten Ebenen durchzieht. Kooperation und strukturierte Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure ist notwendig.

Jugendsozialarbeit muss sich außerdem an die Politik wenden. Sei es bezüglich notwendiger rechtlicher Rahmenbedingungen oder bezüglich der Bereitstellung von Fördergeldern. Auch die Zugänge zu digitalen Medien betreffend sollten von der Politik Möglichkeiten geschaffen werden, um den Zielgruppen der Jugendsozialarbeit vergleichbare technische Ausstattungen und digitale Zugangsmöglichkeiten (evtl. auch öffentliche Räume) bereitzustellen.

Handlungsempfehlungen die Fachkräfte betreffend:

Im Rahmen eines gezielt durch die verantwortlichen Träger gesteuerten Lernprozesses ist den Akteuren nahe zu bringen/bewusst zu machen, dass auch im beruflichen Umfeld neue digitale Medien genutzt werden sollten. Die für jedes Arbeitsfeld individuellen Gründe und Vorteile dessen sind herauszustellen.

Im Hinblick auf den angestrebten Ausbau der digitalen Kommunikation mit den Zielgruppen rücken die Merkmale „milieusensibel“ und „zielgruppengerecht“ in den Vordergrund. Ziel ist es, die Jugendlichen einerseits in ihrer Sprache und über ihre Kanäle anzusprechen und dabei andererseits nicht zu sehr in deren „private Kommunikationsräume/-kanäle“ einzudringen. Dieses Gleichgewicht muss jede Einrichtung in Bezug auf deren individuelle Zielgruppe(n) selbst finden und herstellen. Auch die Nutzung quartiersbezogener Ressourcen, wie etwa Makerspaces1, kann für die Fachkräfte hilfreich sein, um ihre Kompetenzen auszubauen und die Arbeit mit den Zielgruppen weiterzuentwickeln.

Neben der Integration digitaler Medien in die tägliche Arbeit erscheint auch die Beratung und Begleitung der Jugendlichen diesbezüglich wichtig. Daraus ergibt sich eine erweiterte Rolle der Fachkräfte als Beratungs- und Begleitungsperson bei Fragen und Problemen hinsichtlich digitaler Medien. Um dieser Rolle gerecht zu werden, müssen die Fachkräfte gezielt dahingehend qualifiziert werden.

Festgestellt wird, dass den Akteuren der Jugendsozialarbeit – und dabei nicht zuletzt den Fachkräften – bewusst zu machen ist, was der aktuelle Status der Digitalisierung ist. Es ist viel mehr als ein allein auf das Vorhandensein technischer Geräte fokussierter Wandel, sondern wir sprechen von „intelligenten“ Systemen, die autonom arbeiten, und von automatisierten digitalen Prozessen (künstliche Intelligenz).

Handlungsempfehlungen die Zielgruppen betreffend:

Benachteiligte Jugendliche sind davor zu schützen nicht weiter abgehängt zu werden. Sie müssen gezielt befähigt werden im digitalen Raum mitzugestalten und nicht nur Nutzer zu sein. Dazu gehört, dass Zugangsmöglichkeiten geschaffen und gezielt Kompetenzen, wie Kreativität, Wahrung des Datenschutzes u.a. gefördert werden.

Bezüglich des alltäglichen Umgangs mit digitalen Medien haben die Zielgruppen aber auch bereits vielfältige Kompetenzen auf informelle und nonformale Art erworben und entwickelt. Diese gilt es zu formulieren und auch anzuerkennen. Vorteilhaft wäre dies beispielsweise vor dem Hintergrund, dass  die Jugendlichen in der zukünftigen Arbeitswelt multiplen digitalisierten Prozessen ausgesetzt sein werden und somit auch die Anforderungen an die Berufe stetig steigen. Durch das Vorweisen vorhandener digitaler Kompetenzen könnten deren Chancen auf beruflichen Einstieg erhöht werden.

Hinsichtlich digitaler Angebote, wie E-Learning oder Online-Beratung sollte eine zielgruppensensible Ausgestaltung fokussiert werden, um die Angebote auch inhaltlich für die Zielgruppen nutzbar und verständlich zu machen.

Fazit

Während des Dialogtages konnte in viele Richtungen gedacht werden. Die Handlungsempfehlungen stellen einen Abriss unterschiedlichster Handlungsfelder dar und sind nun als Aufschlag zu nutzen, und fortlaufend weiterzuentwickeln und zu konkretisieren. Sie werden im Feld verbreitet und bilden einen Ausgangspunkt, um im Netzwerk der BAG KJS (Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit) und auch gemeinsam mit anderen Verbänden gezielt an der Professionalisierung der Jugendsozialarbeit im Hinblick auf digitale Medien weiterzuarbeiten.

Paderborn, Oktober 2017

Sabrina Plückebaum

 


1 offene Kreativräume; Orte des gemeinsamen Lernens und Arbeitens an denen meist vielfältiges und modernstes technisches Equipment bereitgestellt wird