Skip to main content

Nationalen Bildungsrat als Chance nutzen!

Expertinnen und Experten fordern breiten gesellschaftlichen Diskurs zu Bildungsgerechtigkeit


Berlin/Düsseldorf/Freiburg, 18. Oktober 2018. Der von der Bundesregierung geplante Nationale Bildungsrat muss für eine grundsätzliche Verständigung zu Aufgaben und Zielen des Bildungssystems genutzt werden. Alle relevanten Akteure der Zivilgesellschaft sowie der Jugend- und der Behindertenhilfe sind einzubeziehen. Diese Chance sollte nicht vertan werden, erklärten 22 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Bildungspolitik, Schule, Jugendhilfe und Wissenschaft gestern im Rahmen eines Dialogtags „Nationaler Bildungsrat - Eine Chance für inklusive Bildung?!“ in Berlin, zu der die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS e.V.) und der Fachverband IN VIA sowie die IN VIA Akademie eingeladen hatten.

Hier die komplette Pressemeldung lesen

Gleichzeitig soll der Bildungsrat konkrete Impulse setzen, damit das Recht auf inklusive Bildung endlich planvoll und bundesweit umgesetzt wird. Liam Zergdjenah, Landesvorsitzender und Bundesdelegierter der Landesschüler/-innenvertretung Hamburg erklärte: „Bildungsungerechtigkeit erleben wir an unseren Schulen tagtäglich. Wir fordern, dass Schüler und Schülerinnen mit und ohne Behinderung als Expertinnen und Experten in eigener Sache im Bildungsrat vertreten sind.“ Einigkeit herrschte darüber, dass auch Lehrkräfte, Eltern und die Jugendhilfe, insbesondere die Schulsozialarbeit mit ihren vielfältigen pädagogischen Angeboten, ihre Vorstellungen zu Bildungsgerechtigkeit in den Rat einbringen können müssen, um alle Kompetenzen für bessere Bildungschancen zu bündeln.

Deutschland hat sich bereits im Jahr 2009 verpflichtet, das Menschenrecht auf inklusive Bildung laut Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention zu realisieren. Hiervon ist das deutsche Bildungswesen aber immer noch weit entfernt, wie Michael Wrase, Universität Hildesheim / Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, eindrücklich darlegte. Nicht nur herrschen in den 16 Bundesländern sehr unterschiedliche Vorstellungen, auch verharrt Deutschland im internationalen Vergleich mit seinem segregierenden Schul- und Förderschulsystem immer noch auf den hinteren Rängen. Sechs Prozent aller Schulabgänger/-innen verlassen die Schule ohne Abschluss.

„Es muss endlich eine Gesamtstrategie entwickelt werden, um ein qualitativ hochwertiges, inklusives und multiprofessionell ausgerichtetes Bildungssystem sicherzustellen. Dies ist die vordringlichste Aufgabe eines Nationalen Bildungsrates“, fordert Marion Paar, Generalsekretärin von IN VIA Deutschland und Mitglied im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit.

Noch aber streiten die Bundesbildungsministerin und die Kultusminister/-innen der Länder vor allem über die Stimmverhältnisse im künftigen Nationalen Bildungsrat, statt die großen Bildungsherausforderungen anzupacken, kritisierten die Teilnehmenden.